Ansprache von Eva Schwaighofer anlässlich der Geschenkübergabe an Helmut bei der Siegesfeier des Franz-Schubert-Chorpreises am 13. Dezember 2010

Ich möchte gerne etwas sagen, was nicht nur mich, sondern was uns alle betrifft, und was aufgrund dieser Unterschiedlichkeit ja fast unmöglich ist. Aber dennoch, nachdem ich einseitig vorbelastet bin und Du (Helmut) mir zuerst dieses Stichwort geliefert hast vom Glück und von unseren Wurzeln, denke ich mir, ich finde doch einen Ausgangspunkt, wo ich für uns alle sprechen kann: Dieser Ausgangspunkt liegt für jeden unterschiedlich weit zurück. So muss jetzt jeder die entsprechenden Jahre zurückgehen an den 22. Tag seines intrauterinen Lebens (= innerhalb der Gebärmutter), da sind wir nämlich alle gleich. Wir haben alle die gleichen Erfahrungen, den gleichen Zustand: wir sind eine Scheibe aus vielen Zellen, und das Besondere ist - und das ist etwas, was wir wirklich alle gemeinsam erleben - zwei Organe nehmen als Erstes ihre Funktion auf. Das erste ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, mit dem wir Schall und Rhythmus empfinden können durch Erschütterung, und das zweite Organ ist unser Herz, das da zu schlagen beginnt. Und diese Verbindung könnte der Ursprung unserer Begeisterung sein, warum wir alle da sind, diese Verbindung zwischen Hören und Herz, zwischen Singen und Herz. 

Der Gehörforscher Alfred Tomatis nennt diese Verbindung von Herz und erstem Hören das intrauterine Horchen". Und er sagt sinngemäß, der Mensch, der sich durch seine Sozialisation, durch seine Erziehung, durch alle Konventionen hinweg dieses Horchen bewahren kann - oder vielleicht wieder hinfindet, trotz Sozialisation, Erziehung und Konventionen - der ist offen für alles, was ihn umgibt, und kann die Kommunikation aufnehmen mit allem, was ihn umgibt, der kann sehen und fühlen was ihn umgibt, und kann hinter allen Dingen das Substrat wahrnehmen und das Wunder im Leben. Manche nennen das Religion, manche nennen es vielleicht einfach Glück. Jedenfalls ist das etwas, was uns alle hier vereint.

Schließlich sagt auch der Neurobiologe Gerald Hüther: Wirklich glücklich sind Menschen dann, wenn sie gemeinsam ein Ziel verfolgen können und trotzdem jeder die persönliche Freiheit dabei gewahrt weiß. Und schöner - denke ich mir - könnte man unseren Chor gar nicht beschreiben. Das ist was Wunderbares, und dieses Glück, das wir doch alle von Fall zu Fall gemeinsam empfinden können, das bleibt irgendwie an Dir (Helmut) kleben. Ohne Dich gäbe es unseren Chor nicht, und Du bist zum Teil verantwortlich für dieses GIück, das wir gemeinsam empfinden können, und dafür glaube ich, kann ich mit Fug und Recht im Namen aller "DANKE" sagen!

Erhard Petzel

"Schläft ein Lied in allen Dingen,

Die da träumen fort und fort,

Und die Welt hebt an zu singen,

Triffst du nur das Zauberwort."

 

Kürzer und eindrücklicher als in diesen Zeilen Joseph Eichendorffs lässt sich das romantische Sehnen des Menschen nach Eins-Sein mit sich und der Welt kaum darstellen. Glück und Geborgenheit liegen als Sinn darin, die Welt als großes Weben zu erfassen, das sich im eigenen Ich auftut und worin ein Individuum aufgeht.

Es gibt Plätze und Einrichtungen, wo Suche und erkennendes Finden möglich werden und Intensität und Richtung gewinnen. Wenn eine Gruppe bereiter Menschen zusammenkommt und durch gelenktes Tun Gemeinsamkeit erfährt, ist da der Austausch von Individuum und Chor, das gegenseitige Durchdringen und Bedingen der Hannonie eines Ganzen im Gleichklang der Einzelnen.

Die Dinge des Lebens sind in und außer uns selbst, ihr Singen kann so gut in der Imagination stattfinden wie in emotionalen Regungen. Unser Singen wird diesen Klang anregen. wie er auf jeden selbst zurückwirkt. Und da ist ein Meister mit der vornehmen Lebensaufgabe, als Medium diese Transfonnationen anzuleiten und umzusetzen. Als Seele im Verband des Chores wird dieser aktive Gestalter selbst zum Element, als Verzauberer selbst zum Verzauberten. 

Der Chor ist ein Ort des Glückes und der Freude, nicht nur wegen seiner Klangscala, die ein weites Land umspannt. Es sind seine Menschen, die zu diesem Glück und dieser Freude befähigt sind. Sein Herz ist ein Leiter, der auf der unbedingten Suche nach Vollkommenheit diese Menschen braucht und trägt. Das Singen ist mehr als Proben und Auftritte. Es ist das Lied, das in den Dingen schläft, die uns Welt sind, und das hervorbricht in unseren aufgeweckten Seelen.